Jugend braucht Perspektive, keine Schlagstöcke

Jugend braucht Perspektive, keine Schlagstöcke

Die Debatte um den sogenannten „Flashmob“ am 19. März, bei dem es in Folge einer Ankündigung in den sozialen Medien zu einer Schlägerei, am Rande zu ein paar Konflikten von einzelnen Jugendlichen und der Polizei kam. In den Medien wurde der Vorfall schnell zu einer Massenschlägerei aufgebauscht. Fakt ist, dass es in der Zeit vor dem „Flashmob“ immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen im Bereich ZOB, Holmpassage und Galerie gekommen ist.

Die Befürworter eines Kommunalen Ordnungsdienstes versuchen immer stärker, den Vorfall als Begründung für die Einführung eines solchen Sicherheitsdienstes zu nutzen, geben aber selber zu, dass dieser Kommunale Ordnungsdienst trotz Pfefferspray und Schlagstock auch nicht mehr ausrichten könnte als jeder andere auch. Nämlich die Polizei rufen.

Aus Ecke der Rechtsradikalen kommt, wie zu erwarten, „dass die Ausländer“ schuld seien, obwohl am 19. März nur „deutsche“ Jugendliche verhaftet wurden.
Dabei wird von allen wissentlich verschwiegen, dass wir in den 90ern tatsächlich Gruppenschlägereien fast monatlich hatten. In der Regel im Bereich Engelsby und Fruerlund. Pikanterweise, für die Anhänger von gewissen rechten Parteien, war damals insbesondere eine Gruppe von Neonazis beteiligt.

Wir haben in Flensburg Probleme mit Gewalt zwischen Jugendlichen. Es sind ohne Zweifel auch geflüchtete Jugendliche daran beteiligt. Aber von einer Situation, wie wir sie in den 90er Jahren in Flensburg hatten, sind wir meilenweit entfernt. Aber wir können und sollten aus der Zeit lernen.

Den Problemen wurde damals entgegengetreten, indem man zum einen von Seiten der Polizei deutlich Präsenz gezeigt hat -genauso wie heute in der Innenstadt- und zum anderen aber auch klare Angebote an die Jugendlichen formuliert hat. Zu den Angeboten zählten damals verstärkte Jugendsozialarbeit in dem betroffenen Stadtteil, Stärkung der Häuser der offenen Tür, Gründung der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (Bequa) und zusammen mit den Eigentümern der Häuser eine konsequente Sanierung im Stadtteil. Die Maßnahmen haben damals Erfolg gehabt.

Ich bin überzeugt, dass wir auch heute damit Erfolg haben werden. Deshalb sollten wir jetzt die Debatte um kommunale Ordnungsdienste beenden und uns auf die Jugendlichen konzentrieren. Wir müssen Perspektiven für diese und alle anderen Jugendlichen finden. Deshalb müssen wir uns fragen, wie wir zusammen mit Arbeitsagentur, Jugendaufbauwerk, Bequa und anderen Akteuren zielgerichtete und zeitgemäße Angebote für die Jugendlichen schaffen. Wir müssen überprüfen, ob der Einsatz unserer Jugendsozialarbeiter noch bedarfsgerecht ist, oder ob wir etwas verändern müssen. Wenn wir unseren Jugendlichen Perspektiven geben, schaffen wir auch gleichzeitig Perspektiven für Flensburg.

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